Bye-bye Shangri-La, hello Vietnam!

Der Abschied von Shangri-La fällt uns nicht schwer, wegen einer Kaltwetterfront, die wir nicht wirklich mit Winterkleidung ausgleichen können, weil wir außer einer Garnitur warmer Unterwäsche und Steppjacken nichts gegen polare Temperaturen dabei haben. Per Bus geht es Richtung Dali und zwar über die kürzestmögliche Route. Für unsere Bustickets zahlen wir zusammen 212 Yuan; der Bus soll 6 Stunden unterwegs sein. Die Strecke führt auch durch industriell genutzte Gebiete, kein Vergleich mit dem malerischen Weg, der uns nach Shangri-La hinauf geführt hat. Straßen und Häuser, auch die Menschen scheinen allesamt mit einer grauen Staubsicht überzogen. Solche Fahrten animieren zum Abschalten: Augen zu oder in ein Buch vertiefen und nicht hochschauen.

Endstation ist der Nord-Busbahnhof von Xiaguan, im modernen Dali. Die gehobenen, modernen Wohnviertel liegen direkt am Erhai See, wo wir für eine Nacht unterkommen, um bahnhofsnah zu sein.

Die Hotelwahl erweist sich am nächsten Morgen als goldrichtig, das bestellte Taxi will nicht auftauchen. Obwohl eigentlich nur 10 Autominuten vom Bahnhof entfernt, werden wir nervös. Schließlich schafft es die Rezeption, jemand mit eigenem Wagen aufzutreiben, der uns privat chauffiert. Punktgenau erreichen wir den Bahnhof, checken ein und fahren, auf die Sekunde genau ab nach Kunming. Die Tickets hatten wir übrigens in weiser Voraussicht bereits lange vorher besorgt. Etwas mehr als 2 Stunden braucht der Hochgeschwindigkeitszug.

In Kunming steigen wir um, in den Zug nach Jianshui, eine Eisenbahn der alten Art. Dezent chinesisch umschrieben heißt das: „Fahrt auf ungepolsterten Sitzen“. Konkret bedeutet es: Hocken in einem Abteil, wo auf jeder Seite 3 Bänke montiert sind. Die untersten in Sitzhöhe, die mittleren so, das ein schmächtiger Mensch gerade noch aufrecht sitzen kann, ohne sich den Kopf zu stoßen, die obersten in nutzloser Höhe, kurz unterm Dach des Waggons.

Der Zug ist randvoll. Klar, die Fahrkarten sind unvergleichlich günstig, nur Laufen wäre billiger. Wir teilen unser Abteil mit einigen älteren Frauen und einem Mann und es entsteht sogar so etwas wie eine rudimentäre Konversation. Gleichwohl, 4 Stunden ungepolsterte Fahrt sind natürlich ermüdender als das Unterwegssein im modernen Zug. Wir sind froh, gut anzukommen und gleich ein Taxi zu finden, das uns ins Hotel bringt.

Wie es uns in Jianshui, das uns ausgezeichnet gefällt, ergeht, könnt Ihr hier nachlesen.

Nächstes Ziel sind die Reisterrassen von Yuanyang, erreichbar nur über Straße. Frühmorgens machen wir uns mit dem Taxi auf zum Busbahnhof. Kaum sind wir ausgestiegen, lotsen uns zwei junge Frauen zur Busausfahrt und bugsieren uns samt Gepäck in den richtigen Bus.

Für die Fahrt zahlen wir pro Person 31 Yuan. Nach 2,5 Std. gibts einen unerwarteten Buswechsel in Nansha Zhen in ein klappriges Fahrzeug, das uns nach Xinjie bringen soll. Es geht bergauf, das Wetter ist eher schlecht und auf halber Strecke kollabiert unser Bus, nichts geht mehr. Auf offener Straße stoppen wir einen Minivan, der uns für 30 Yuan mitnimmt. Xinjie ist verstopft, heute ist Wochenmarkt. Wir müssen den letzten halben Kilometer zu Fuß angehen. Bergauf. Am Straßenrand parkt ein Taxi und wir werden uns einig: Für 120 Yuan fährt es uns ins Dorf Pugao, wo unser Hotel ist.

Beim Eintritt in die Region der Reisterrassen werden an einer Mautstelle für Touristen Eintrittskarten fällig. Die kosten nicht 100 Yuan, wie auf den Tickets aufgedruckt ist, sondern nur 74 Yuan – wahrscheinlich, weil wir außerhalb der Hochsaison dort sind.

Wie wir die Reisterrassen der Hani erleben, könnt Ihr hier nachlesen.

Unsere Abreise einige Tage später ist eigentlich gut vorbereitet. Ein Taxi nach Xinjie ist bestellt und Jacky, unser Wirt, hat proaktiv Bustickets für uns reserviert. Aber am Abfahrtstag regnet es. Vielleicht ist dieses schlechte Wetter der Grund dafür, dass unser Taxifahrer sich nicht blicken und uns jetzt in der Pampa stehen lässt. Wir bereiten uns gerade darauf vor, auf der Hochstraße überm Dorf eine Straßensperre aufzustellen, damit uns jemand mitnimmt. Brauchen wir nicht. Jacky hat mitbekommen, dass wir versetzt wurden und fährt uns selbst mit seinem Privatwagen zur 28 km entfernten Busstation. Danke, Freund! Das vergessen wir Dir nicht. Mit dem Linienbus fahren wir um 10.10 Uhr Richtung Hekou, zur chinesisch-vietnamesischen Grenze. Die wollen wir klassisch zu Fuß überqueren, aber noch sind wir nicht dort.

Endlos zuckelt der Bus parallel zum Red River. Nicht über den Highway sondern über eine Schnellstraße, die eigentlich das Gegenteil von dem anrichtet, wofür sie gebaut wurde, sie entschleunigt unsere Reise nämlich. Wir halten an für Essenspausen, nehmen Passagiere auf, lassen welche aussteigen, immer schön gemütlich und in Zeitlupe. Theoretisch dürfte die Fahrt nur 4 Stunden dauern, tatsächlich werden daraus 6 Stunden. Unterwegs werden wir zweimal von der Grenzpolizei kontrolliert, die Pässe akribisch in ein großes Buch eingetragen, das wohl irgendwann nachrichtlich ausgewertet wird oder für immer vergessen bleibt.

Vom Busterminal in Hekou bis zur Grenze sind es noch einige Kilometer, dafür chartern wir ein Taxi zu 20 Yuan. Mehr brauchen wir auf chinesischer Seite nun nicht mehr auszugeben.

Das Abfertigungsgebäude der chinesischen Grenzer ist groß, peinlich sauber und übersichtlich strukturiert. Nach einer Durchleuchtung des Gepäcks landen wir vor der Passkontrolle. Die Formalitäten sind normal und nicht schikanös. Das einzige Problem ergibt sich durch den im deutschen Pass eingetragenen Geburtsnamen, der auf keinem anderen Dokument erscheint und den Beamten verwirrt. Er ruft einen Vorgesetzten, beide brüten über dem Problem, schlussendlich wird die Ausreise erlaubt. Das ganze hat etwa 15 Minuten gebraucht. Ein nonchalantes Durchwinken hätte uns übrigens auch genügt.

Zu Fuß geht’s ins Niemandsland, die Brücke über den Red River, etwa 200 Meter bis zur anderen Seite. Hinter uns, vor uns und zu unseren Seiten, vollbeladene Fahrräder: Der kleine Grenzverkehr, irgendwelche Güter werden kisten-, säcke- und körbeweise emsig in beide Richtungen gebracht. Die Grenze lebt.

In der Grenzstation auf vietnamesischer Seite, beschäftigen sich die Grenzer mit den Formaliäten unseres E-Visums, das wir auf dem Smartphone gespeichert haben und vorzeigen. Wir werden in einen Warteraum gewunken, geben unsere Pässe ab und warten etwa 10 Minuten. Dann ist alles ok, sogar ein Augenzwinkern gibt es, vom Uniformierten mit der großen, altmodischen Tellermütze. Fertig. Wir sind drin.

Good evening, Vietnam!“ Wir sind reichlich spät eingetroffen, ein „Good Morning“ hätte uns besser gefallen. Daran ändert auch die Stunde Zeitgewinn nichts; Vietnam ist ja in einer Zeitzone eine Stunde früher als China. Wir sind rechtschaffen müde und wollen nur noch zum Hotel, im ersten Ort den wir uns ausgesucht haben, Sapa.

Und hier unser China im Gesamtüberblick

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